Über das Vertrauen ...

Pusteblume … das zuerst in mir entstehen muss

Es gibt ein Vertrauen, das nicht laut ist.
Kein großes Versprechen, keine schwungvolle Geste, kein Satz, der sofort alles beruhigt.
Es ist leiser.
Zarter.

Ein Vertrauen, das zuerst in mir selbst geboren werden muss, bevor ich es überhaupt einem anderen Menschen anreichen kann.

Lange Zeit dachte ich, Vertrauen sei etwas, das von außen kommt.
Etwas, das mir geschenkt wird – durch Nähe, durch Worte, durch einen Blick, der sagt: Du bist sicher.
Doch Nähe, so habe ich gelernt, kann einen Menschen, der sich selbst nicht glaubt, genauso tief verunsichern wie berühren.

Denn was geschieht, wenn mir jemand Halt anbietet, während ich innerlich ständig zurückweiche?
Wenn ich gehalten werden soll, aber meine eigenen Hände mich nicht halten?

Ich habe erfahren, dass Vertrauen nicht automatisch mit Liebe entsteht.
Nicht mit Zuneigung.
Nicht mit dem Wunsch nach Nähe.
Es wächst nicht dort, wo ich hoffe, sondern dort, wo ich hinschaue.

In den kleinen, unscheinbaren Momenten in mir selbst.
Dort, wo ich lange nicht hinwollte.
Dort, wo sich ein altes Gefühl versteckt hält – ein Gefühl von Unsicherheit, von Zweifel, manchmal von Wertlosigkeit.
Ein Gefühl, das oft weniger mit dem Jetzt zu tun hat als mit alten Räumen, alten Stimmen, alten Verletzungen.

Ein Echo.

Und dieses Echo meldet sich sofort, wenn ich unsicher werde.
Jede Pause, jedes Zögern, jede kleine Bewegung meines Gegenübers wird dann zur Projektionsfläche.
Nicht absichtlich.
Nicht bewusst.

Vielleicht bin ich nicht genug.
Vielleicht bin ich zu viel.
Vielleicht darf ich mich nicht sicher fühlen.

So wird Nähe schnell zum Prüfstein.
Rückzug zum Beweis.
Unklarheit zur Bedrohung.

Doch das ist keine Wahrheit.
Das ist Geschichte.
Nicht Gegenwart.

Wahrheit ist:
Kein anderer Mensch kann mich sicher machen, wenn ich innerlich gegen mich selbst arbeite.
Begleiten – ja.
Ermutigen – vielleicht.
Aber ersetzen kann mich niemand.

Nähe kann angeboten werden, doch die alten Schutzmauern in mir kann nur ich selbst berühren.
Gesehen werden hilft – aber das innere Licht muss von innen kommen.

Vertrauen beginnt dort, wo ich den Mut habe, mir selbst zu begegnen.
Nicht den klaren, starken Anteilen – die kenne ich gut.
Sondern den unruhigen.
Den leisen.
Den verletzlichen.

Dort, wo Fragen auftauchen, die ich lange vermieden habe:
Warum glaube ich mir nicht?
Warum halte ich mich nicht?
Warum misstraue ich meinem eigenen Empfinden?

Und genau dort, in diesem unsicheren, zitternden Raum, entsteht etwas Neues.
Kein großes Gefühl.
Eher ein feines, bestimmtes Licht.

Nicht hell.
Aber wahr.

Ein Vertrauen, das sagt:
Ich bin da.
Ich höre dir zu.
Ich bleibe bei mir, auch wenn es schwer wird.

Wenn dieses Vertrauen wächst – langsam, ungeschminkt, ohne Heldengeschichte –, beginnen sich Dinge zu verschieben.
Nicht abrupt.
Aber spürbar.

Die Nähe eines anderen Menschen wird nicht mehr zur Prüfung, sondern zu einem Raum, den ich betreten darf.
Worte tragen nicht länger das Gewicht alter Geschichten.
Rückzug trifft nicht mehr die Stellen, die ich selbst nie versorgt habe.
Unsicherheiten des Gegenübers sind kein Beweis mehr für meinen eigenen Wert oder Unwert.

Nicht, weil alles leicht ist.
Sondern weil ich mich inzwischen halte.
Weil ich mir zuhöre.
Weil ich mir glaube.

Und so wird Vertrauen langsam etwas anderes.
Nicht mehr etwas, das ich im Außen suche,
sondern etwas, das in mir ruht
und sich von dort aus nach außen bewegt.

Ein Vertrauen, das Nähe möglich macht.
Nicht perfekte Nähe.
Aber echte.

Nicht, weil das Gegenüber fehlerfrei ist,
sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.

Vielleicht ist das das eigentliche Geschenk:
mich selbst so ernst zu nehmen,
dass Vertrauen keine Angst mehr macht,
sondern ein leiser Beweis dafür wird,
dass ich mich an meine eigene Seite gestellt habe.