
Zwischen all den Ebenen des Glaubens, die uns umgeben, bewegen sich auch die astrologischen ganz selbstverständlich mit, leise und doch präsent, wie viele andere Deutungsräume, die nie ganz verschwinden. Da sind die Sterne des Westens mit ihren Tierkreisen und Archetypen, die chinesischen Zyklen aus Tieren und Elementen, die keltischen Bäume, die Zeit über Jahresqualitäten erzählen, und die Totemtiere indigener Kulturen, die weniger erklären als verbinden. Nicht alles davon berührt mich wirklich, aber manches streift mich, so wie Bilder manchmal streifen, ohne dass man sie gerufen hat.
Das Feuerpferd gehört für mich zu solchen Bildern. Nicht, weil ich besonders astrologisch denke oder mich an Systeme halte, sondern weil das Bild selbst etwas in mir auslöst. Ein Feuerpferd lässt sich nicht nur denken, sondern sehen — als Bewegung, als Wärme, als etwas, das nicht stehen bleibt. Manche Bilder kommen nicht als Wahrheit, sondern als leises Flackern, das einfach da ist und bleibt, ohne erklärt werden zu wollen.
Gerade taucht dieses Wort überall auf: Feuerpferd, neue Zyklen, andere Anfänge. Ob ein Jahr im Januar beginnt oder im März, ob kulturell, astrologisch oder erzählerisch gemeint, erscheint mir dabei fast zweitrangig, weil mich weniger die Richtigkeit interessiert als die Bewegung, die ein Bild in mir auslöst. Es gibt Bilder, die nichts beweisen, aber dennoch etwas öffnen.
Wenn ich darüber nachdenke, merke ich, wie viele Formen von Glauben es gibt: religiöse, spirituelle, kulturelle — und diesen ganz stillen Glauben, der als innerer Satz in uns wohnt, oft älter als wir selbst. Auch das gehört für mich in diesen Raum, selbst wenn es keinen Namen trägt.
Glaube fühlt sich für mich dann stimmig an, wenn er innen andockt und nicht über mir steht wie ein System, das erklärt, sondern neben mir geht wie etwas, das begleitet. In dem Moment, in dem ich beginne, etwas zu glauben, um mich darin erst zu finden, wird es weiter weg. Dann suche ich etwas im Außen, das mir sagen soll, wer ich bin, und genau dort entsteht eine Distanz, die sich für mich nicht mehr ganz wahr anfühlt.
Manchmal beobachte ich, wie leicht es ist, Dinge zu verschieben — auf Sterne, auf Zeitpunkte, auf ein „noch nicht so weit“. Das kann entlasten, und vielleicht hat es sogar seinen Sinn, doch gleichzeitig spüre ich, wie ich mich dabei ein kleines Stück von mir entferne.
Zwischen Wissen und Glaube entsteht für mich kein Gegensatz, sondern eher eine unterschiedliche Qualität. Wissen fühlt sich ruhig an, still, fast unspektakulär, während Glaube beweglicher wirkt, weiter, manchmal auch lauter. Vielleicht brauchen beide ihren Platz, nur nicht vertauscht.
Und dann taucht dieses Bild wieder auf, dieses Feuerpferd, das vielleicht gar nicht für ein Jahr steht, sondern eher für eine Bewegung: für Mut, für Hitze, für dieses innere Loslaufen. Nicht als kosmische Wahrheit, sondern als leise Frage: Wo in mir will etwas los, wo halte ich noch fest, und wo glimmt vielleicht etwas, das längst brennen könnte?
Ich möchte niemanden überzeugen, weder von Astrologie noch vom Gegenteil. Vielleicht geht es mir eher darum, dass wir uns in all den Bedeutungen, die um uns herum entstehen, nicht verlieren, sondern irgendwo darin wiederfinden.
Wenn ich ehrlich bin, fühlt sich eine Reihenfolge für mich tragfähig an: Wenn ich mir selbst ein Stück näher bin, kann ich glauben, ohne mich zu verlieren. Dann ersetzt Glaube nichts, sondern erweitert etwas, das längst da ist.
Vielleicht passt es deshalb zu mir, dass meine Kinder nicht getauft wurden — nicht aus Ablehnung, sondern aus dem Gefühl heraus, dass Glaube innen beginnen darf, als etwas Gewähltes und nicht Vorgegebenes.
Und wenn heute wirklich ein Feuerpferd angeritten kommt, dann vielleicht nicht am Himmel, sondern als leise Bewegung innen, als Bild, das erinnert, dass Energie manchmal nicht von außen kommt, sondern dort entsteht, wo wir ihr Raum geben.

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