
Noch in dieser Woche, als ich auf den Schnee schaute, dachte ich, es wäre eigentlich schade, keine weiteren Fotos zu machen. Schnee ist, trotz der Masse in diesem Jahr im Vergleich zu den letzten, ja doch etwas Besonderes. Er zeigt andere Konturen, ruft anderes Licht hervor. Es ist so anders still in der Stadt. Und gleichzeitig grau. So weiß es auch ist – in der Stadt bleibt es grau. An der Ostsee fühlte sich das ganz anders an. Seufz
Und aus meiner Sicht reicht es jetzt. Ein Winter, der trocken und kalt ist, hat durchaus etwas für sich, und ich bin niemand, der die 35 Grad unbedingt genießt. Aber seit Tagen ist mir wirklich kalt. Nicht ein bisschen. Wirklich kalt.
Abends kriecht die Kälte mit ins Bett. Ich liege lange darin, eingewickelt in Stoffschichten, und spüre trotzdem, wie mein Körper erst ganz langsam nachgibt, als müsste er sich Stück für Stück zurückerinnern, wie Wärme überhaupt geht.
Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das mich gerade so beschäftigt. Dieses Nicht-sofort-Lösen. Dieses Festhängen. Wie festgewachsen …
Gestern, in einem Telefonat, ging es dann kurzweilig um eine Petition. Eine Petition gegen den Winter, für den Frühling. Auch wenn wir nicht wirklich darüber diskutiert haben, ob so etwas sinnvoll ist, dachte ich an all die Winterdepressiven da draußen, die vermutlich noch viel mehr kämpfen als ich. Und daran, wie schön es wäre, wieder mehr Grün zu sehen.
Genau das ist es. Mir fehlt nicht nur Wärme, mir fehlt auch Farbe. Ich möchte den Frühling wieder riechen. Das Summen, das Zwitschern, diese leisen Geräusche, die plötzlich wieder da sind, wenn das Leben nach außen tritt.
Und dann diese Bilder, die ich mal gemacht habe.
Bäume, die sich durch Zäune schieben.
Holz, das nicht ausgewichen ist, sondern geblieben.
Stämme, die sich um Draht gelegt haben, als hätten sie irgendwann aufgehört zu unterscheiden zwischen innen und außen.
Verwachsen mit dem, was einmal Grenze war.

Ich weiß nicht, warum mich das gerade so berührt. Vielleicht, weil es sich vertraut anfühlt. Dieses leise Festgestecktsein. Nicht dramatisch. Nicht laut. Eher wie ein Zustand, der sich über Zeit gebildet hat. Schicht für Schicht.
Man sieht es den Bäumen kaum an, wenn man vorbeigeht. Sie stehen einfach da. Stabil. Ruhig. Und doch tragen sie diese Linien in sich, diese Druckstellen, diese stillen Umarmungen aus Metall, die irgendwann Teil ihrer Form geworden sind.
Ja, es ist Februar. Und er ist noch nicht vorbei. Vielleicht ist dieser Text einer dieser letzten Wintertage, an denen man spürt, dass sich etwas verschiebt. Seit einigen Tagen sagen mehrere Menschen, dass der Wetterbericht bald zweistellig positiv wird. Und da ich Wettervorhersagen oft wie kleine fake-Geschichten wahrnehme, weil sie sich so oft anders anfühlen als das, was draußen wirklich ist, glaube ich es noch nicht ganz. Das hat nichts mit den Menschen zu tun, die davon erzählen. Es liegt eher daran, dass ich gelernt habe, mich weniger auf Ankündigungen zu verlassen als auf das, was ich selbst spüre.
Natürlich stimmt das nur bedingt. Die Richtung stimmt meistens. Aber mein Vertrauen liegt inzwischen mehr im Erleben als in der Vorhersage.
Und trotzdem: Der Wurm ist drin.
Ich bin heute kratzbürstig, dünnhäutig, schneller müde von Grau.
Und gleichzeitig spüre ich, dass genau dort auch etwas kippt.
Vielleicht ist es gar nicht der Winter allein.
Vielleicht ist es dieses Dazwischen.
Dieses Nicht-mehr-ganz-drin und Noch-nicht-draußen.
Wie ein Stamm im Zaun.
Nicht gebrochen.
Nicht frei.
Aber lebendig.
Und vielleicht liegt genau darin auch eine kleine Wahrheit:
Dass Verwachsen nicht nur Stillstand ist.
Dass auch darin Bewegung steckt. Langsam, kaum sichtbar, aber stetig.
Ich werde mir Gedanken machen, was ich am Wochenende tun kann, damit genau das passiert. Nicht warten, bis es von allein wärmer wird. Sondern kleine Räume öffnen. Für Licht. Für Farbe. Für Draußen. Für mich.
Mehr Wärme. Mehr Farbe im Leben.
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