Ich bin ein Workaholic.
Ein Workaholic, der jedoch gar nicht das Gefühl hat, zu viel zu arbeiten. Mir fällt es wirklich schwer, einfach mal nichts zu tun.
Jetzt gerade eben habe ich mir schon einmal das Skript des Hypnosekurses angeschaut, den ich heute noch absolvieren werde. Ganze 404 Seiten. Und natürlich habe ich direkt querbeet gelesen. Nicht aus Pflicht, sondern aus Freude. Ich freue mich sehr darauf, den Kurs gleich live – beziehungsweise online – zu erleben.
Gar nicht so einfach, einen Kurs bis in die Abendstunden hinein zu organisieren, wenn man zwei Kinder hat, wovon eines tatsächlich noch Betreuung braucht. Und doch haben wir das gut hinbekommen. Ich bin zuversichtlich, dass die zwei heute Abend eine gute Zeit hatten, wenn ich spät nach Hause komme.
Zwischen Fürsorge und voller Präsenz
Das geht auch nicht anders.
Wenn man – so wie ich – an verschiedenen Projekten und Baustellen schraubt, um sich gut zu fühlen, und dabei immer wieder zu hundert Prozent, bei allem und mit allem anwesend ist, dann braucht auch das scheinbar Alltägliche hundert Prozent Aufmerksamkeit.
Wobei: Alltag ist das falsche Wort. Kinder sind niemals Alltag.
Es ist ein ständiges Durcheinander aus Putzen, Kochen, Aufräumen, Einkaufen, Pflegen und Fürsorge. Abläufe organisieren, trösten, konsequent sein, Grenzen setzen, am Ball bleiben, zuhören, kuscheln, lieb haben. Daheim.
Dazu kommen Brotdosen, die morgens noch schnell gefüllt werden, vergessene Zettel, die doch wichtig sind, Wäscheberge, die sich heimlich vermehren, Schuhe, die nie dort stehen, wo sie stehen sollten, und Fragen, die genau dann kommen, wenn man eigentlich schon innerlich beim nächsten Schritt ist. Es sind Gespräche zwischen Tür und Angel, große Gefühle in kleinen Körpern, Müdigkeit, die nicht warten kann, und Verantwortung, die nicht vertagt werden darf. Es ist präsent sein, auch wenn man selbst gerade leer ist. Halt geben, Struktur halten, weich bleiben und gleichzeitig klar. Und all das nicht nebenbei, sondern mittendrin – mit dem Wissen, dass nichts davon wiederholbar ist und jeder Moment zählt.
Und dann schwinge ich mich auf mein Lastenrad und fahre zur WiR Praxis.
Dort bewege ich mich zwischen Coaching, Haltung, Marketing, Schreiben, Projekte gestalten, Lernen – und und und.
Dazwischen liegen meine eigenen Arzttermine, Telefonate, E-Mails, Absprachen, Anträge, Rechnungen, Formulare, Rückfragen. Termine, die organisiert werden wollen, Wege, die gefahren werden müssen, Entscheidungen, die niemand sonst trifft. Es ist Verantwortung auf vielen Ebenen zugleich: für andere, für Prozesse, für Inhalte, für Räume – und auch für mich selbst. Es ist Denken, Halten, Planen, Verwerfen, Neuordnen. Es ist Präsenz im Gespräch und Nachhall danach. Ideen, die nachts auftauchen, To-do-Listen, die nie ganz leer werden, und dieses leise Wissen im Hintergrund, dass alles miteinander verbunden ist und nichts einfach nur „Job“ ist.
Was fehlt
Und was fehlt im Ganzen?
Der Moment, in dem ich nichts mache.
Der Moment, in dem ich innehalte.
Der Moment, in dem ich einfach bin. Wirklich bin.
Nicht, dass ich mir nie eine Pause gönne – das ist nicht das Thema. Pausen finden ihren Platz, mal besser, mal schlechter, irgendwo zwischen Terminen, Aufgaben und Übergängen. Sie sind oft kurz, funktional, eingebettet ins Tun. Doch der Gedanke, wirklich gar nichts zu tun, keine Richtung zu haben, kein Ziel, keine Aufgabe, keine Idee, der fällt mir sehr, sehr schwer.
Denn sobald ich zu Hause bin und nicht weiß, was ich tun soll, beginne ich zu kritzeln, Texte zu schreiben, Ausschnitte zusammenzusetzen, zu häkeln oder zu malen. Etwas entsteht immer. Etwas will Ausdruck, Bewegung, Form. Ich bin schnell wieder im Tun, fast automatisch, als wäre Stillstand etwas, das ich umgehen müsste.
Das Nichtstun fällt mir schwer. Nicht, weil ich es nicht kenne, sondern weil ich es mir selten erlaube. Und doch ist es genau das, was ich jetzt brauche: kein nächster Schritt, kein Impuls, kein Produkt. Sondern Raum. Leere. Zeit, in der nichts von mir will, außer dass ich da bin.
Eine Woche Sein
Also habe ich dafür gesorgt, dass meine Kinder eine Woche bei ihrem Großvater in den Niederlanden unterkommen.
Etwas, das auf beiden Seiten getragen ist von Freude, von Nähe, von gemeinsamen Tagen, die sich später als Erinnerungen ablegen werden. Etwas, das gut ist. Für sie. Und auch für mich.
Und ja, sie werden sich später wundern, wie kalt Berlin sich anfühlt, wenn sie aus den fünf bis acht Grad über null in den Niederlanden zurückkommen und hier weiterhin Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen.
Und ich – ich fahre an die Ostsee.
Egal, dass die Wettervorhersage Minus sieben Grad ankündigt.
Egal, dass der Himmel sich vermutlich nur manchmal aufreißt und die Sonne in dieser Jahreszeit wenig Lust hat, den ganzen Tag anwesend zu sein.
Egal, dass die Zugverbindung vielleicht holperig läuft, weil Kälte und Winter ihre eigenen Regeln haben.
Ich habe ein Hotel gebucht. Mit Frühstück.
Nicht selbst einkaufen, nicht planen, nicht organisieren. Einfach ankommen.
Mitten im Hotel gibt es eine Sauna mit Panoramablick. Mitten im Wald.
Ein Ort, an dem man still wird, ohne es zu wollen.
Zum Meer komme ich ganz entspannt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Kein Auto, kein Müssen, kein Zeitdruck.
Ich habe Massagen gebucht.
Berührt werden, ohne etwas erklären zu müssen.
Ich lasse es mir gut gehen – nicht als Belohnung, nicht als Ausnahme, sondern als Entscheidung.
Ich werde eine Woche lang nicht darüber nachdenken, was ich einkaufen muss. Ich lasse für mich kochen. Egal ob Fischbrötchen oder Mehrgänge-Menü.
Ich werde in einem riesigen Bett schlafen.
Ich werde nicht geweckt von Kinderstimmen.
Und auch nicht davon, dass jemand etwas von mir will, etwas braucht, etwas fragt – sodass ich spontan und einfallsreich wieder aus meinem eigenen Flow aussteige.
Ich werde da sein.
Mit mir.
Ohne Laptop. Ohne alles.
Vielleicht nehme ich nicht einmal ein Buch oder eine Zeitschrift mit. Auch nicht das Hypnose-Skript, das mich heute so begeistert hat und sofort diesen Impuls ausgelöst hat, es auszudrucken und mitzunehmen. Nein. Mache ich nicht.
Ich nehme nichts mit.
Ich werde mich üben.
Im tatsächlichen Sein.
Im Nicht-Produzieren.
Im Nicht-Weiterdenken.
Ohne Langeweile.
Ohne Druck.
Einfach nur sein.
Und wenn es mir drinnen zu eng wird, gehe ich in den Wald. Oder ich setze mich ans Meer und schaue den Wellen zu. Ich freue mich darauf – auch wenn meine Gedanken bei der Idee, mal nichts zu tun, kurz in Panik geraten. Auch das darf sein. Ich nehme es mit. Und bleibe trotzdem.

Eine kleine Pause – auch hier
Und ich werde schweigen. Auch hier.
Nicht aus Rückzug, nicht aus Leere, sondern aus Entscheidung.
Ein wenig Geduld braucht ihr also mit mir. Meinen nächsten Folgetext schreibe ich erst in der zweiten Februarwoche. Nicht, weil nichts da wäre, sondern weil ich mir erlaube, es nicht sofort in Worte zu fassen.
Aber genau das ist ja auch das Gute an einem Blog.
Man muss nicht alles im Moment des Erscheinens lesen.
Texte warten.
Man kann immer wieder zurückkommen, später, an einem anderen Tag, in einer anderen Stimmung. Man kann hier und dort einen Text herausgreifen, ihn liegen lassen, wieder aufnehmen.
Ja, ich stehe noch am Anfang. Es sind noch nicht viele Texte online.
Und doch ist da schon eine Richtung, ein Raum, der sich füllt.
Bleibt also gespannt – das wird sich ändern.
Die Texte wollen aus mir heraus. Sie haben Zeit. Und ich auch.
Und ich freue mich sehr, dass du gerade hier bist und das liest.
Danke dafür.
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