Jetzt ist es schon einige Zeit her, dass ich etwas geschrieben habe. Nicht, weil es keine Themen gibt, die mich fesseln, beschäftigen oder von denen ich denke, dass ich sie mit euch teilen möchte, sondern eher, weil mir schlichtweg die Zeit fehlt.
Und ganz stimmt das natürlich auch wieder nicht, denn es ist nicht wirklich die fehlende Zeit, es ist eher die Zeit, die ich gerade für andere Sachen nehme, wodurch sich meine Prioritäten im Moment ein wenig verschieben. Vielleicht nicht einmal bewusst und auch nicht unbedingt geplant, sondern eher so, wie sich Sachen manchmal neu sortieren, wenn man selbst gerade versucht, nicht alles sofort wieder in eine Struktur zu pressen.
In meinem Entwicklungsprozess mit meiner Selbstständigkeit stoße ich immer wieder auf diese kleinen Schwellen, Stolpersteine und inneren Widerstände. Einerseits in meinem Kopf und andererseits auch in den Tatsachen, die ich erlebe und die nun einmal da sind, ganz egal, wie sehr ich mir manche Dinge anders wünsche oder wie klar ich eigentlich glaube zu wissen, wie mein Leben aussehen sollte.
Aus meiner Sicht sollte mein Arbeitsleben nicht schwierig und dauerhaft anstrengend sein. Ich empfinde eher genau das Gegenteil als wertvoll, denn ich möchte dieses Gefühl von Freiheit erleben, und zwar nicht nur ab und zu, wenn zufällig einmal alles erledigt ist, sondern dauerhaft, als einen selbstverständlichen Teil meines Lebens.
Somit empfinde ich mein Tun oft eher als eine Form von Sein. Viele Dinge, die ich mache, fühlen sich für mich nicht nach Arbeit an, sondern einfach danach, dass ich etwas tue, was aus mir herauskommt, was mich interessiert und was ich gerne entstehen lassen möchte.
Arbeit ist für mich eher so etwas wie die Steuererklärung, die ich bis zum 31. Juli abgegeben haben muss und soll. Oder andere Strukturen, Fristen und Verpflichtungen, die mich ein wenig von dem abhalten, was ich eigentlich tun möchte und davon, wie mein Sein aus meiner Sicht in vollen Zügen erlebt werden kann.
Der Ausdruck, dass ich ein Workaholic sei, stößt bei mir deshalb auf deutlichen Gegenwind. Einerseits, weil ich so vieles mache, was mir Spaß macht und was ich nicht als Arbeit empfinde, und andererseits auch, weil ich natürlich weiß, dass ich durchaus dazu neige, mich mit meinem Tun von inneren Tatsachen abzulenken.
Beides darf vermutlich gleichzeitig wahr sein. Ich kann sehr viel Freude an dem haben, was ich tue, und dennoch mein Tun manchmal dafür benutzen, bestimmte Gefühle nicht ganz so deutlich wahrnehmen zu müssen. Genau das macht es ja oft so schwierig, denn nicht alles, was sich gut anfühlt, ist automatisch nur gut, und nicht alles, was nach Rückzug aussieht, bedeutet automatisch, dass ich vor etwas weglaufe.
Jetzt in den Sommerferien ist meine Tochter viel außer Haus, und diese Zeit nehme ich gerade zum Anlass, klarer einfach nur zu sein, ohne ständig etwas tun zu müssen. Gar nicht mal so einfach, wenn das direkte Umfeld in einem anderen Modus lebt und somit die gefühlte Einsamkeit in mir manchmal größer wird, weil sie zusätzlich betont wird von dem Druck, den andere Menschen gerade erleben, während ich diejenige bin, die versucht, genau diesen Druck loszulassen.
Das klingt vielleicht erst einmal merkwürdig, denn eigentlich müsste das Loslassen doch etwas Schönes sein. Und das ist es auch, aber es ist eben nicht automatisch leicht, nur weil es sich theoretisch gesund und richtig anhört.
Wenn alle um einen herum funktionieren, planen, erledigen, organisieren und versuchen, alles irgendwie zusammenzuhalten, dann kann sich das eigene Innehalten plötzlich ziemlich fremd anfühlen. Nicht, weil es falsch wäre, sondern weil der Kontrast so deutlich wird.
Dass so etwas in manchen Bereichen kollidiert, war mir schon vorher klar. Somit habe ich meine kleine persönliche Einsamkeit eher auf das Minimalste reduziert und mir gleichzeitig die Erlaubnis gegeben, trotz allem in meinem Kopf Sachen zu tun.
Es muss ja nicht direkt ein neues Projekt ausgeschrieben, gestaltet, angefangen, durchrecherchiert und analysiert werden. Es darf gerade auch einfach nur Herumspinnen sein, ohne die Angst zu haben, etwas in mir zu verpassen oder einen Gedanken nicht schnell genug festgehalten und umgesetzt zu haben.
Vielleicht muss eine Idee nicht immer sofort zu etwas werden. Vielleicht darf sie erst einmal einfach nur da sein, sich verändern, verschwinden und irgendwann wiederkommen.
Das ist für mich tatsächlich eine ziemlich große Erkenntnis, denn ich neige dazu, sehr schnell aus Gedanken Möglichkeiten zu machen und aus Möglichkeiten direkt neue Vorhaben. Dann wird aus einem kleinen Impuls plötzlich ein Konzept, aus dem Konzept eine Struktur und aus der Struktur etwas, das umgesetzt werden möchte.
Und obwohl mir genau das viel Freude macht, merke ich auch, dass nicht alles, was in mir entsteht, sofort nach außen muss. Manche Sachen dürfen vielleicht einfach nur mir gehören, zumindest für eine Weile.
Auch wenn ich natürlich noch immer, genau wie du, in einem Entwicklungsprozess bin, und dieser hoffentlich bis zu meinem Lebensende erhalten bleibt, wird mir immer klarer, dass es nicht darum geht, irgendwann fertig zu sein.
Das Ziel ist der Weg und nicht irgendein endgültiges Ergebnis. Wobei man vielleicht auch sagen könnte, dass das Endergebnis irgendwann darin besteht, dass wir sterben, was ich letztendlich sogar als beruhigendes Ergebnis empfinde, aber das ist wieder ein anderes Thema und vermutlich eines, über das ich an anderer Stelle noch sehr lange schreiben könnte.
Mir ist jedenfalls immer klarer, dass es nur um das Jetzt geht.
Auch das ist manchmal schwer, denn ich habe das Gefühl, dass ich mich öfter im Jetzt bewege als mein direktes Umfeld und dadurch manchmal Entscheidungen treffe, die von außen vielleicht mutiger wirken, als sie sich für mich anfühlen.
Ich denke manches nicht bis zum Ende tot. Nicht, weil ich die Konsequenzen nicht sehen möchte oder weil mir alles egal ist, sondern weil ich merke, wie schnell dieses ständige Durchdenken zu einer Lähmung werden kann.
Es gibt immer Gründe, etwas nicht zu tun. Es gibt persönliche Entschuldigungen, tatsächliche Grenzen, strukturelle Hindernisse und systemische Begrenzungen. Manche davon sind real und sollten nicht kleingeredet werden. Aber wenn ich nur noch auf diese Dinge schaue, komme ich irgendwann gar nicht mehr ins Tun und spüre auch nicht mehr, wo ich tatsächlich bin.
Dann entsteht eine merkwürdige Form von Stillstand, in der ich zwar alles analysiert habe, aber trotzdem keinen Schritt weitergekommen bin.
Ich merke gerade, wie ich wieder ein wenig umlenke und einfach darauf losschreibe, was vielleicht auch am Sommerloch liegt. Wobei ich dieses Wort eigentlich spannend finde, denn ein Loch klingt so, als wäre da nichts, obwohl in solchen Zeiten oft sehr viel passiert, nur eben nicht unbedingt sichtbar.
Vielleicht ist das Sommerloch gar kein Loch, sondern eher ein Zwischenraum, in dem sich Sachen neu sortieren.
Und genau darüber wollte ich euch allen, und dementsprechend auch mich selbst eingeschlossen, informieren. Ich schreibe gerade weniger und werde nach den Sommerferien wieder mit spannenden neuen Themen unterwegs sein.
Nicht, weil bis dahin nichts passiert, sondern weil gerade vieles in einem anderen Tempo passiert und nicht alles sofort nach außen getragen werden muss.
Ich kann außerdem sagen, dass ich wegen meines Bandscheibenvorfalls keine Medikamente mehr nehme. Auch wenn das Ganze noch nicht zu einhundert Prozent vorbei ist, ist ganz klar, dass ich mich inzwischen sehr viel besser fühle und langsam wieder das Gefühl bekomme, die Alte zu sein.
Wobei auch das nicht ganz stimmt.
Ganz ehrlich gesagt habe ich mich schon vor dem Bandscheibenvorfall nicht besonders wohl in meinem Körper gefühlt. Deshalb wünsche ich mir eigentlich nicht nur, wieder so zu sein wie vorher, sondern mich sogar besser zu fühlen als Ende März.
Daran arbeite ich sowohl psychisch als auch körperlich, wobei ich auch hier versuche, nicht wieder alles unter den Druck zu stellen, möglichst schnell ein bestimmtes Ziel erreichen zu müssen.
Mein Körper braucht seine Zeit, mein Kopf vielleicht auch, und beides hängt vermutlich ohnehin viel enger zusammen, als wir es manchmal wahrhaben wollen.
Des Weiteren bin ich ab und an mit meinem Schlauchboot unterwegs, was mir gerade sehr guttut. Auf dem Wasser verändert sich etwas in mir. Vielleicht, weil dort weniger fest ist, vielleicht, weil ich nicht ständig das Gefühl habe, irgendwohin zu müssen, oder vielleicht auch einfach, weil Wasser eine ganz eigene Ruhe mit sich bringt.
Außerdem habe ich tatsächlich wieder etwas mit der Hand geschrieben, statt nur herumzutippen. Das klingt nach keiner besonders großen Veränderung, aber für mich macht es einen Unterschied.
Beim Schreiben mit der Hand sind die Gedanken langsamer, und vielleicht kommen sie dadurch manchmal auch näher an das heran, was eigentlich wirklich gesagt werden möchte. Beim Tippen bin ich oft schon beim nächsten Gedanken, während der vorherige noch gar nicht vollständig da war.
Für das kommende Halbjahr möchte ich etwas weniger AVGS Maßnahmen machen und den dadurch entstehenden Raum für andere Sachen nutzen.
Gleichzeitig arbeite ich an meinem Magazin, von dem ich mir wünsche, dass es im September herauskommt.
Das Thema wird Prägung sein. Dabei möchte ich nicht nur tatsächliche Erklärungen dazu geben, was was ist, wie Prägungen entstehen und wie sie unser Leben beeinflussen, sondern auch der Frage nachgehen, was ich tun kann, wenn ich erkenne, dass bestimmte Muster bei mir vorhanden sind.
Denn nur zu erkennen, warum ich so bin, wie ich bin, ist zwar wichtig, aber es hilft nicht automatisch dabei, etwas zu verändern.
Mein Ziel ist es, dass meine Magazine immer auch einen Hauch von Coaching enthalten. Mir fehlt bei verschiedenen Magazinen und Zeitschriften oft, dass zwar viel über Erkenntnisse geschrieben wird, aber wenig lösungsorientiert weitergedacht wird.
Man liest etwas, erkennt sich darin wieder, denkt vielleicht noch eine Weile darüber nach und bleibt dann trotzdem mit der Frage zurück, was man mit dieser Erkenntnis nun eigentlich machen soll.
Natürlich ist auch klar, dass tatsächliche weiterführende Prozesse nur schwer ohne eine Person gelingen, die dich spiegelt.
Wir können sehr viel alleine erkennen, verstehen und analysieren, aber manchmal sehen wir uns selbst einfach nicht vollständig. Manchmal braucht es ein Gegenüber, das eine Frage stellt, die wir uns selbst nicht stellen würden, oder das an einer Stelle nicht mitgeht, an der wir uns innerlich schon längst wieder eine passende Erklärung gebaut haben.
Das geht mir genauso.
Auch ich kann vieles bei mir erkennen und benennen und trotzdem an bestimmten Stellen nicht weiterkommen. Vielleicht ist genau das ebenfalls ein Teil von Entwicklung, zu wissen, wann man alleine weitergehen kann und wann man einen anderen Menschen braucht, um sich selbst wieder klarer sehen zu können.
Im Moment darf es hier jedenfalls etwas ruhiger sein.
Nicht leer, nicht ideenlos und auch nicht ohne Themen, sondern ruhiger.
Vielleicht braucht es genau das, damit sich die Sachen neu sortieren können. Vielleicht muss ich nicht jede Lücke sofort füllen und nicht jeden Gedanken direkt in ein neues Projekt verwandeln.
Vielleicht ist dieses Sommerloch gerade einfach ein Raum, in dem ich wieder deutlicher spüren kann, was bleiben soll, was gehen darf und was in den nächsten Monaten langsam entstehen möchte.
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