
Und dann kam die Diagnose:
Doppelter Bandscheibenvorfall mit entzündeten Muskeln
Ich klammerte mich förmlich an das Jetzt, um den Rattenschwanz des Geschehens seit Juni 2025 nicht als unendliche Ungerechtigkeit wahrzunehmen.
Jedes Mal wieder, wenn mir die Frage „Warum?“ auftauchte oder auch die Frage „Wann gibt es ein Ende all dieser Schicksalsschläge?“ aufploppte, mich im Jetzt und nicht gegen die Aussicht auf meinen Weg zu konzentrieren, kostet unglaublich viel Energie.

„Hammer“, dachte ich nach der Diagnose letzten Dienstag.
Verzweifelt habe ich meine Vergangenheit hochgeholt, da ich eine Skoliose habe und natürlich immer wieder zu viel sitze.
Die Skoliose hat mich jedoch dann erstmals am meisten beschäftigt.

Ich erinnere mich daran, dass ich bei der Jugenduntersuchung mit 12 oder 13 Jahren alt war und der Arzt meinte, dass wir unbedingt eine Orthese nutzen sollten, da ich mit meinen damaligen schon 167 cm schnell gewachsen war.
Es wurde auch ein Röntgenbild meiner Hand angefertigt, um zu messen, wie groß ich werden würde und ob die Orthese überhaupt noch Sinn macht.
Das Röntgenbild ließ darauf schließen, dass ich zwischen 172 und 174 cm groß werden würde.
Vielleicht hat darum die Frau, die mich geboren hat, gesagt, dass es für die paar Zentimeter wohl kaum Sinn macht.
Jedoch stand groß im Raum, dass eine körperlich behinderte Schwester wohl reiche in der Familie – wegen der Aufmerksamkeit, die sie nur bedingt gleichberechtigt verteilen wollte oder konnte.
Vielleicht war sie auch nur naiv und es ist gar nichts extra Böses passiert.
Fakt ist jedoch: Eine Skoliose führt dazu, dass die Gefahr, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden, erhöht ist.

Und klar, ich kann nun in meinem Kopf herumschreien „hätte, hätte, hätte“.
Aber was ändert das – außer dass ich dann dastehe und jemand anderem die Verantwortung geben mag für Tatsachen, die mir kurz vor meinem 55. Geburtstag geschehen?
Und ja, wenn man es googelt, erhält man darüber sogar kindeswohlgefährdende Texte.
Weil wenn Eltern neben der Prägung nicht die Gesundheit ihres Kindes achten, dies auch zur Kindeswohlgefährdung zählen kann.

Aber mal ganz ehrlich unter uns:
Was bringt es mir, mir Bestätigung zu holen bezüglich dessen, was alles schiefgelaufen ist?
Es war nicht möglich damals, warum auch immer.
Und nein, damit möchte ich das Ganze nicht entschuldigen.
Nur darauf hinweisen, dass es mir jetzt wenig bringt, zu schauen, warum, wieso und weshalb.
Dass ich letztendlich 184 cm groß geworden bin (und schon 2 cm davon wieder verloren habe), wusste schließlich niemand.
Und dass sich so eine Skoliose nicht zum Positiven entwickelt, ist auch klar.
Also sitze ich hier mit diesem Wissen.
Und ganz nüchtern betrachtet hätte auch ich im Erwachsenenalter hinterher sein können.
Das habe ich jedoch unterlassen.
Somit verteilt sich die Verantwortung.
Und alles bleibt spekulativ.
Weil:
Was wäre mit mir “jetzt” passiert, wenn ich damals die Skoliose eigenständig behandelt hätte?
Wissen wir nicht.

Was ich jedoch weiß:
Dass ich neben dem Sitzen auch viel Fahrrad fahre, gerne wandern gehe und – wenn mein Körper es zulässt – schwimmen gehe.
Und mein Ziel ist Tanzen.
Dafür habe ich mir sogar eine App gekauft.
Und ich freue mich schon darauf, meine Arme in die Luft zu heben, meine Hüfte zu drehen und auf Fußspitzen herumzutippen, zu schwingen und den Sound in meinem Körper zu spüren.
Mich selber zu halten.
Statt jetzt eine Orthese zu tragen, um mich einigermaßen gerade zu halten.

Und das Thema Geduld kommt wieder hoch.
Ich, die so unglaublich ungeduldig mit sich selber ist.
Die so viel von sich erwartet und sich so viel wünscht.
Und manchmal in die Falle tappt, weil ich das Gefühl habe, nicht ausreichend mein Bestes gegeben zu haben – in einer Flut von unendlichem Perfektionieren.
Und mir ist natürlich klar, dass dies mit meinem Eigenwert zu tun hat.
Erwartungen von mir selber mir gegenüber.
Vor allem, weil mein komplettes Umfeld mir immer wieder sagt, dass es reicht.
Dass es genug ist.
Und somit ist dieser Bandscheibenvorfall sogar ein Glücksfall.
Nicht wegen der vielen Schmerzen, des Leidens und der dadurch entstandenen Gedächtnisstörungen.
Da der Schmerz meine Erinnerungen an zuvor gedachte Gedanken immer wieder zerstreut.
Und die heftigen Medikamente nun zusätzlich mein Kurzzeitgedächtnis ausknocken.
Jedoch auch wegen meines wunderbaren Hauses, in dem ich wohne.
Welches ich als gutaussehend wahrnehme und nun noch mehr bewundern mag.
Verstehen und lieben lernen will.

Es geht nämlich nicht darum, wie ich aussehe.
Es geht eindeutig darum, wie ich mich in mir wohlfühle.
Also ist das mein Ziel:
Statt Schritt für Schritt nun Schrittchen für Schrittchen weiter zu wachsen.
In Achtsamkeit für mich selber.
Fotos am Samstag, den 25.04.2026 gemacht
Was denkst du über diesen Beitrag?
Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, nutze gern den Teilen-Button unten. Es zaubert mir immer ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich sehe, dass jemand Freude daran hatte.